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Arbeitsgemeinschaft noch produzierende Landwirte in Ostbayern e.V.
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Gentechnikfreie Zone Ascha – Hintergründe und Entstehung
 
 
„Beherrsche die Energie, und du beherrscht die Nation. Beherrsche die Nahrung, und du beherrscht die Menschen“. Dieses Zitat wird dem ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger zugeschrieben, der Nahrungsmittel und Öl bereits zu einer Zeit zu strategischen Gütern erklärte, als die Mechanismen zur Beherrschung der Nahrung noch nicht so perfekt waren wie heute im Zeitalter der Gentechnik.
Wenn man weiß, daß eine Handvoll Konzerne dabei ist, die Kontrolle über den weltweiten Saatgutmarkt zu gewinnen und mit allen Mitteln transgenes Saatgut durchgesetzt werden soll, müßte das jedem von uns zu denken geben, ob Bauer oder Verbraucher.
Immer mehr Studien bestätigen die gesundheitsgefährdenden Auswirkungen von genveränderten Lebensmitteln, trotzdem wird die Einführung der grünen Gentechnik weiter gefördert.
Landwirte auf der ganzen Welt werden durch den GVO-Anbau in finanzielle Abhängigkeiten getrieben oder um ihre Existenz gebracht, trotzdem will die Bundesregierung das Gentechnikgesetz aufweichen und verwässern. Entgegen dem expliziten Wählerwillen, denn eine dauerhaft stabile Mehrheit der deutschen Bevölkerung steht der Gentechnik ablehnend gegenüber.
Für Landwirte, die weiterhin keine Gentechnik anwenden wollen, und Verbraucher, die sich gentechnikfrei ernähren wollen, sieht die Zukunft düster aus angesichts der Tatsache, daß leider noch viel zu viele Menschen diesem Thema phlegmatisch, desinteressiert und unbedarft gegenüberstehen oder sich bequem dem Irrglauben ergeben, daß man sowieso nichts mehr tun könne, weil Gentechnik ja schon überall drin sei.
An diesen Menschen aber haben Politiker und Konzerne ihre Freude, denn:
„Wer nicht handelt, wird behandelt“!
 
Gentechnikfreie Zone Ascha oder:
Warum wir keine Gentechnik in der Landwirtschaft brauchen:
 
Die grüne Gentechnik nützt nur den Konzernen und ihren Aktionären. Sie löst nicht das Hungerproblem auf der Welt , und sie bringt auch den Bauern keine nachvollziehbaren Vorteile. Folgende Punkte sprechen gegen die Nutzung von genmanipulierten Organismen (GMO)in der Landwirtschaft:
 
Fehlende Wahlfreiheit. Die friedliche Koexistenz von Genpflanzenanbau und konventionellem Pflanzenbau, die von Politik und Bauernverband immer noch propagiert wird, ist in der Praxis unmöglich. Abstandsregelungen bieten keinen Schutz vor Kontamination, da Pollen und Insekten weiter fliegen als 100 oder 200 Meter. Sortenreine Rapspollen beispielsweise wurden noch in 26 km Entfernung nachgewiesen, Insekten fliegen bis zu 14 km weit und Orkane können selbst samenhaltige Pflanzenteile 50 km und weiter tragen. Saharasand in Bayern ist ein bekanntes Phänomen und dürfte jede Diskussion zum Thema Abstandsregelungen überflüssig machen.
Aber auch für die unfreiwillig durch Pollenflug geschädigten Bauern interessieren sich die Konzerne. 147 Farmer, die durch Kontamination GVO-Pflanzen auf ihren Feldern hatten, wurden von Monsanto vor Gericht gebracht. Unzählige andere Farmer wurden ausspioniert und zu hohen Lizenzzahlungen gedrängt. Bisher hat die Firma Monsanto allein vor Gericht rund 15 Millionen Dollar an Strafgeldern von geschädigten Bauern erstritten. Die Gesetzgebung schützt die Täter, nicht die Opfer!
 
Verfassungsproblem durch Gentechnik:
Gentechnisch veränderte Pflanzen können Naturpflanzen durch Pollenflug schädigen. Umgekehrt ist dies nicht möglich. In der Verfassung steht, daß die eigene Freiheit dort endet, wo die Freiheit des anderen beeinträchtigt wird. Das Wahlrecht des Landwirts ist damit nicht verfassungskonform, was von führenden Verfasssungsrechtlern bestätigt wird.
 
Gentechnik ist nicht versicherbar:
Gentechnik ist ebensowenig versicherbar wie Atomkraft und Mobilfunk. Keine Versicherung dieser Welt versichert Haftpflichtschäden durch Genpflanzen, Schäden durch GVO sind sogar in allen Verträgen namentlich ausgeschlossen. Der Bauer haftet selbst mit seinem Privatvermögen!
 
 
Gentechnik macht landwirtschaftliche Flächen wertlos:
Einige Großbanken gehen bereits dazu über, mit Genpflanzen bebaute Flächen nicht mehr zu beleihen, weil diese Flächen für sie wertlos sind. Wissen die Banken mehr als Bauern und Verbraucher?
Auch die katholische Kirche verbietet auf landwirtschaftlichen Flächen in ihrem Eigentum den Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen, z.B. als Saatgut.
 
Giftstoffe in Pflanzen durch Gentechnik:
BT-Genmaissorten produzieren ständig das BT-Gift (Bacillus thuringiensis) zur Bekämpfung des Maiszünslers. Dadurch werden auch nützliche Insekten geschädigt oder getötet, u.a. Bienen, die immerhin bis zu 80 % die Bestäubung unserer Pflanzen übernehmen.
Landwirtschaftsmeister G. Glöckner verfütterte den BT 176 Mais an seine Kühe. In den darauffolgenden Jahren verendeten zwölf Kühe. Der restliche Bestand von 58 Tieren mußte wegen erheblicher gesundheitlicher Schädigung geschlachtet werden. Außerdem wurde eine überhöhte Toxinanreicherung auf der Weide bzw. in der Grassilage festgestellt.
Bacillus thuringiensis erhöht die Toxizität durch Verbindung mit dem natürlichen Bodenbakterium Bacillus cereus, es wird zum Selbstläufer.
 
Keine höheren Erträge, dafür steigender Pestizideinsatz:
Die von der Industrie versprochenen höheren Erträge treten in der Praxis nicht ein. US-Universitäten weisen sogar Ertragseinbußen bis zu 10 % nach.
Der Agrarwissenschaftler Dr. Benbrook belegt in einer Studie den höheren Pestizideinsatz nach mehrjährigem Anbau von herbizidresistenten Pflanzen. Verschiedene Ackerkräuter sind inzwischen resistent gegen die Herbizide auf den Genfeldern. In den USA oder Argentinien (58 % mehr Spritzmittelverbrauch) werden heute mehr und stärkere Pestizide verbraucht als vor der Einführung der Gentechnik.
Außerdem ist in Zeiten der Überproduktion und in deren Folge sinkenden Preisen dem Bauern mit Ertragssteigerungen nicht geholfen, im Gegenteil!
 
Versuchsergebnisse sollen Sicherheit der Gentechnik bestätigen:
98 % der Versuche werden von der Gentechnikindustrie in Auftrag gegeben und bezahlt, die restlichen 2 % vom Staat. Dementsprechend sind auch die Ergebnisse realistisch zu betrachten. Die Institute sind auf die Aufträge der Industrie angewiesen.
Langzeittests über die Auswirkungen einer genveränderten Nahrung werden nicht gemacht. Dabei zeigt der Genunfall von London, bei dem sechs junge, gesunde Menschen in einem Medikamententest ein neues, gentechnisch hergestelltes Medikament bekamen ( einer starb, die anderen werden ihr Leben lang schwer behindert sein ), daß die Auswirkungen der Gentechnik auf den Menschen überhaupt noch nicht abzuschätzen sind.
GVO-Nahrung hat nur die erste von vier Testphasen für Medikamente bestanden, dann wurde sie für die Massenanwendung ohne Kontrollgruppen freigegeben. Im Gegensatz zu den Testpatienten in London hat der Verbraucher nicht die freie Wahl (Volksabstimmungen zum Thema Gentechnik sind verboten ), er bekommt kein Geld für die Teilnahme und außerdem kann die Gentechnik vom Acker nicht einfach zurückgerufen werden wie ein Medikament, wenn Probleme auftreten.
 
Fehlender Markt für gentechnisch veränderte Lebensmittel:
Über 80 % der Verbraucher wollen keine genveränderten Lebensmittel auf ihrem Teller haben. Da die gentechnikfreie Produktion für den Landwirt keine Mehrkosten verursacht, kann er bei gleichen Produktionskosten bessere Ware erzeugen. Einige Molkereien haben bereits mit ihren Milchbauern Verträge über eine gentechnikfreie Milchproduktion abgeschlossen ( Upländer Bauernmolkerei, Molkerei Piding = Bergbauern Milch )
 
Diese Liste wäre durchaus noch fortzusetzen, aber das würde hier den Rahmen sprengen. Ob nur einmal fruchtbares Saatgut durch Terminator-Gene oder Betrug am Verbraucher durch Anti-Matsch-Tomaten, Tiergene in Pflanzen und umgekehrt, Gefährdung der Artenvielfalt usw., ein Horrorfilm ist Kinderkram gegen diese Realität.
 
Da es aber in der EU den einzelnen Ländern untersagt ist, die Einfuhr und die Anwendung von genveränderten Organismen zu verbieten, bleibt nur die freiwillige Selbstverpflichtung der Bauern, keine Gensaaten anzubauen und keine genmanipulierten Futtermittel zu verfüttern. Die Errichtung von gentechnikfreien Regionen ist derzeit der einzige Weg, sich als Landwirt vor den unumkehrbaren Folgen der Gentechnik zu schützen.
 
Hart, aber lohnend: Der Weg zur gentechnikfreien Gemeinde Ascha
Cornelia Maurer, Initiatorin
Cornelia Maurer bewirtschaftet mit ihrer Familie einen Milchviehbetrieb in Hochfeld bei Ascha. Daneben ist sie seit 1999 bei der Arbeitsgemeinschaft noch produzierender Landwirte in Ostbayern ( AnpLO ) als Schriftführerin tätig.
Im Januar 2005 besuchte sie eine Veranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen in Passau, wo der bereits erwähnte gentechnikgeschädigte Landwirtschaftsmeister G. Glöckner über seine Erfahrungen mit Gen-Mais referierte. Nach dem ersten Schock begann sie, sich intensiv mit der grünen Gentechnik auseinanderzusetzen und kam zu dem Schluß, daß diese mit ihren derzeit noch größtenteils unerforschten Risiken auf ihren Äckern nichts verloren habe und auch nicht in die Nahrungskette gehöre.
Da es aber nichts nützt, auf den eigenen Feldern keine Genpflanzen anzubauen, wenn in der näheren Umgebung doch GMO angebaut werden, reifte der Entschluß, eine gentechnikfreie Zone zu gründen.
Sie wandte sich als erstes an Bürgermeister Wolfgang Zirngibl, der die Idee sofort positiv aufnahm und seine Unterstützung zusagte.
Im April fand die erste Sitzung des Agendakreises Landwirtschaft zum Thema Gentechnik statt. Teamleiter Karl Christl nahm dieses Thema fortan in jeder Sitzung auf die Tagesordnung.
Im Juni 2005 fand die erste Informationsveranstaltung für Landwirte zur gentechnikfreien Zone Ascha statt. Referent war Josef Feilmeier, Landhändler und selbst Landwirt sowie Begründer der Intiative Gentechnikfreies Bayern.
Danach ging Frau Maurer bei ihren Berufskollegen in der Gemeinde „Klinkenputzen“. Es war harte Überzeugungsarbeit zu leisten, um die Bauern zum Mitmachen zu bewegen. Manche unterschrieben spontan, andere brauchten etwas länger. Auch der zusätzliche Aufwand war in den Augen mancher Bauern ein Hindernis. Dabei sind diese Maßnahmen, wie zum Beispiel Rückstellproben vom Saatgut zu machen oder beim Einkauf auf gentechnikfreie Futtermittel zu achten, die „Versicherung“ der Landwirte zum Schutz vor den Risiken der Gentechnik.
Sehr oft mußte sie hören, man könne ja eh nichts mehr machen, es sei schade um die Zeit und den Aufwand. Manchmal sei sie schon nahe am Aufgeben gewesen, aber sie habe immer jemanden gehabt, der sie dann wieder aufgerichtet und zum Weitermachen motiviert habe.
 
Letztendlich erklärten sich 81 % der Aschinger Bauern schriftlich zur Teilnahme bereit. Fünf Landwirte wollten keine freiwillige Selbstverpflichtungserklärung unterschreiben, äußerten aber auch ihre Bereitschaft, keine gentechnisch veränderten Pflanzen anzubauen.
Am 06. März 2006 wurde die gentechnikfreie Zone Ascha gegründet. Für Frau Maurer bedeutet dieser Erfolg jedoch nicht, daß sie sich jetzt auf ihren Lorbeeren ausruhen werde. Es gebe noch viel zu tun. In einigen Nachbargemeinden sind bereits Bestrebungen im Gange, ebenfalls gentechnikfreie Zonen zu errichten, diese gelte es zu unterstützen.  
Mittlerweile wurde auch die Gemeinde Falkenfels als gentechnikanbaufreie Zone erklärt.
Im gesamten nördlichen Landkreis Straubing-Bogen sind weitere Kommunen bestrebt, ebenfalls gentechnikanbaufreie Zonen zu errichten, wie Stallwang, Wiesenfelden, Rattiszell, Loitzendorf, Mitterfels, usw.
Nur mit solchen Aktionen können Landwirte der gesamten Industrie deutlich zeigen:“ Wir wollen keine Grüne Gentechnik!“
 
 
 
Teamleiter Landwirtschaft Christl Karl, Landwirtin Cornelia Maurer und 1. Bürgermeister Wolfgang Zirngibl